Feuerrad stopfen 2014

Ein Feuerrad ist eine heiße Sache – Vor dem Abrollen nach alter Tradition muss es gestopft werden – Die RNZ schaute in Darsberg zu

Neckarsteinach-Darsberg. Wenn am Fastnachtsdienstags um 19 Uhr in Darsberg nach alter Tradition das Feuerrad zu Tal gerollt wird, ist das ein echtes Spektakel - und niemand macht sich Gedanken darüber, wie viel Arbeit die Dorfgemeinschaft zuvor damit hatte. Auch andernorts ist das Feuerrad fest im Faschingskalender verankert. Deshalb hat sich die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) mal das Stopfen eines Feuerrads am Samstagnachmittag angeschaut. Das Rad aus Eisen - eine Konstruktion aus dem Jahr 1995 und vom damaligen Dorfschmied angefertigt - ist etwa 1,80 Meter hoch und 2,50 Meter breit, samt Eichenstamm in der Mitte rund eine Tonne schwer, lagert das Jahr über in einer Scheune vor Ort und muss vor seinem Einsatz mit etwa 30 Ballen Stroh gestopft werden. Dabei gibt Harald Layer das Kommando. Und das lautet zum Beispiel: „Das Stroh nicht fest trampeln, das Rad soll doch brennen." Der Hobby-Landwirt kennt sich eben aus.

Das Rad ist auf einen Anhänger gehievt, zwei Männer und ein paar Kinder sind drinnen, um besagte Ballen zu verteilen. Mit Muskelkraft wurde das Rad zuvor verladen. Der Bagger konnte da leider nichts ausrichten. Aber taugt die Schaufel vielleicht dazu, die Strohballen von oben ins Rad zu kippen? Auch das ist keine Ideallösung. Ein Teil des Strohs landet daneben und muss nun von Hand aufgelesen werden. Da ist es doch einfacher, die Ballen zu den „Stopfern" im Rad zu tragen. Ein Teil des Strohs, das auf einem abgedeckten Hänger lagerte, ist feucht geworden und nicht mehr für das Feuerrad verwendbar. Aber zum Glück ist ja genug davon da. Die Ballen waren vor ihrer neuen Bestimmung übrigens zu einer Figur am Ortsrand aufgestapelt und dienten als Hinweisschild auf Veranstaltungen im Stadtteil von Neckarsteinach.

Nach dem Stopfen des Feuerrades kommt nochmals eine Plane drüber, der Abtransport an den Start zum Abrollen erfolgt erst am Dienstag. Das Abrollen selbst ist dann im wahrsten Sinne des Wortes eine „heiße Sache" - nicht nur aufgrund der Temperaturen, denen die Radlenker ausgesetzt sind. Wegen zu starker Seitenwinde musste das Spektakel auch schon mal eingestellt werden. Damals schlugen die Flammen nämlich drei bis vier Meter quer aus dem Rad. Ein anderes Mal war die Wiese zum Abrollen einfach zu feucht. Aber meistens ging alles gut. Egal ob es am Fastnachtsdienstag knackig kalt ist, Schnee liegt oder nicht: Mit dem Feuerrad soll der Winter vertrieben und die Fruchtbarkeit der Felder erbeten werden. Natürlich gibt es in Darsberg auch Hexen, die das Geschehen beschützend begleiten und später um den Scheiterhaufen tanzen. Dieser wird aber erst am Dienstag aufgeschichtet.

Vor und nach dem Feuerrad-Abrollen wird die Durchgangsstraße von Darsberg zur Vergnügungsmeile mit Speise- und Getränkeständen. Hexen-Obermeister ist Klaus Eberle. Er hat gerade die Holzmasken blank geputzt, in Sachen Hexen-Kostümen aber ein Problem. Demnach bräuchte die Gruppe dringend mal wieder bunte Röcke und sonstige Utensilien, um sich zur Maske standesgemäß zu kleiden. Wer solche „Altkleider" auf Lager hat, könne sich gerne an ihn wenden. Klaus Eberle ist telefonisch unter 0 62 29 / 93 96 61 zu erreichen und per E-Mail an die Adresse info@eberle-partner.com.

Karin Katzenberger-Ruf

(Veröffentlicht in der Rhein-Neckar-Zeitung, Jahrgang 70, Ausgabe 51 vom 3. März 2014)