Erfolgreich im Artenschutz: Turmfalken in Darsberg

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Erfolgreich im Artenschutz: Turmfalken in Darsberg

Im Mitteilungsblatt vom 13. Februar diesen Jahres berichteten wir ausführlich über unsere Aktion „Turmfalkenbalkon“ an der Scheune von Herrn Ralf Edelmann in Darsberg (siehe www.darsberg.com). Zur Verbesserung eines zu kleinen Nistplatzes in einer Mauernische im Giebelbereich montierten wir ein speziell von uns angefertigtes Brett als Ansitzhilfe. Auf diesem „Balkon“ können nun die Altvögel landen und später die noch flugunfähigen Jungvögel ihre Flugmuskulatur trainieren ohne, wie die Jahre zuvor, auf die Wiese abzustürzen und von Fuchs und Co. gefressen zu werden. Diese Aktion erschien sinnvoll, da im letzten Jahr ein noch nicht ganz ausgefiedertes Falkenkücken in der Wiese lag. Nur durch das rechtzeitige Handeln aufmerksamer Nachbarn konnten wir es an eine Aufzuchtstation übergeben.

Im Frühjahr warteten alle nun gespannt darauf, ob das Turmfalkenpaar den erweiterten Nistplatz wieder annehmen würde. Als sich die Falken dann, etwas später als im Vorjahr, am Nistplatz einstellten, war die Freude und Erleichterung groß. Unter den wachsamen Augen der Nachbarn und anderer interessierter Darsberger begannen die Falken mit dem Brutgeschäft. Bald nach dem Schlupf konnten mindestens 4 Jungvögel ausgemacht werden.

NABU Falke Bild 1

Mit zunehmender Größe verließen sie immer häufiger die eigentliche Bruthöhle und ließen sich von den Altvögeln auf dem Balkon füttern. Dies konnte von der Straße aus mit bloßem Auge gut beobachtet werden.

Am Morgen des 4. Juli war es dann soweit. Die ersten beiden Jungfalken verließen das Nest. Einer setzte sich in eine benachbarte Mauernische, der andere machte einen Ausflug aufs Scheunendach.

NABU Falke Bild 2

Von dort aus flog er in einen großen Kirschbaum, wo er sogleich von einer Mönchsgrasmücke beschimpft wurde. Die beiden anderen Jungvögel blieben zunächst auf dem Balkon sitzen und verkrochen sich bald vor den wärmer werdenden Sonnenstrahlen in ihre alte Bruthöhle. Im Laufe des Tages verließ noch ein weiterer Falke den Nestbereich. Drei Jungfalken verbrachten die erste Nacht sicher in der Krone eines großen, alten Birnbaums im angrenzenden Obstgarten.

NABU Falke Bild 3

Der letzte Jungvogel blieb in dieser Nacht noch am Nistplatz, um dann seinen Geschwistern zu folgen.

Die Falkenfamilie wird noch einige Wochen gemeinsame Jagdflüge unternehmen, solange bis die Jungfalken selbst ausreichend Beute machen können.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass sich der Einsatz und Aufwand für eine einzelne Vogelart gelohnt hat. Es gibt einige Vogelarten, die im menschlichen Siedlungsgebiet leben und brüten. Glücklicherweise befindet sich angrenzend an das Anwesen Ralf Edelmann noch eine Streuobstwiese mit altem Baumbestand, sodass sich die Jungfalken nach ihrem Ausflug die ersten Tage in einer geeigneten naturnahen Umgebung aufhalten können.

Durch unsere Unterstützung können wir die Natur wieder mehr in unsere Städte, Dörfer, Gärten und sogar an unsere Häuser zurückholen. Wer Interesse hat, für Schwalbe, Mauersegler, Haussperling und Co. Nisthilfen anzubringen, kann sich bei uns jederzeit Rat und Unterstützung holen. Vielleicht können wir nächstes Jahr für andere Arten ähnliche Erfolge melden. Es muss ja nicht immer gleich ein Falke oder gar ein Storch sein.

NABU-Gruppe „Hessisches Neckartal“
Siegfried Schregle

(Veröffentlicht im Mitteilungsblatt der Stadt Neckarsteinach, Ausgabe 28 vom 10. Juli 2014; Bilder: Siegfried Schregle)