Abend der Begegnung

An der Grenze - mittendrin

Essen verbindet – Flüchtlinge aus Afrika und Einheimische kamen zu einem kulinarischen Begegnungsabend zusammen

Neckarsteinach-Darsberg. (kaz) Ibrahim, der Koch aus Ägypten, ist voll in seinem Element: Er hat in der Küche im Dorfgemeinschaftshaus das Kommando übernommen. Draußen warten die Gäste. Und mit dem Essen, das er und seine Helfer zubereiten, sollen sich Menschen näherkommen. Eine besondere Mission.

Zur Erinnerung: Schon seit einigen Monaten sind über 20 Flüchtlinge aus Afrika im ehemaligen Bahnhofsgebäude in Neckarhausen untergebracht. Allesamt junge Männer, vor allem aus Somalia und Eritrea. Jessica Ruhe, ehemalige Vikarin in Neckarsteinach, und ihr Partner Marian Palaga geben ihnen seit geraumer Zeit Deutschunterricht. Nach dem RNZ-Bericht über dieses Engagement waren viele Leser für die Situation der Flüchtlinge sensibilisiert; sie boten die Teilnahme am Training in Sportvereinen, Praktika in Betrieben oder die Übernahme von Patenschaften an.

Beim Begegnungsabend in Darsberg stand zunächst das gemeinsame Essen im Vordergrund. Während die Deutschen den Grill anwarfen, hatten die Männer aus Afrika einige landestypische Speisen vorbereitet. Etwa somalischen Hühnereintopf (Maraq Digaag) und dazu Reis oder Fladenbrot nach einem Rezept aus Eritrea.

Schmeckt köstlich, fanden die Gäste. Unter ihnen weilte auch Bürgermeister Herold Pfeifer, der sich herzlich für das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe bedankte. Auch der Ortsbeirat von Darsberg und Mitglieder der neuapostolischen Gemeinde hatten bei der Vorbereitung des Begegnungsabends mit angepackt.

Die Kunsthistorikerin Yvonne Weber, die man von Lesungen und Kabarettprogrammen kennt, gab dem Abend noch eine besondere Würze. Sie las Texte vor, die alle irgendwie mit dem Thema „Flüchtlinge“ zu tun hatten – und dennoch zum Schmunzeln waren. Das Weihnachtsmärchen „vom Auszug aller Ausländer“ (da sind vor allem Lebensmittel gemeint) von Helmut Wöllenstein waren ebenso dabei wie Sätze von Bertold Brecht über den Begriff „Emigranten“. Auch eine 13-jährige Schülerin kam zu Wort, die sich Gedanken darüber gemacht hatte, wie Deutschland aussähe, wenn es keinen Zuzug gegeben hätte.

Joachim und Renate Engel aus Darsberg haben eine Patenschaft für einen 19-jährigen Somalier aus der Flüchtlingsunterkunft in Neckarhausen übernommen. Bisher gab es drei Treffen. Der junge Mann sei zwar etwas schüchtern, interessiere sich aber für die deutsche Kultur und Lebensweise, für handwerkliche Arbeiten und sei für alles dankbar, was ihm geboten werde. Das Lehrer-Ehepaar in Rente ist natürlich bemüht, ihrem Schützling spielerisch etwas Deutsch beizubringen.

Beim Begegnungsabend stellten die Flüchtlinge aus Afrika ihre Länder vor – und zwar weitgehend auf Deutsch, was Jessica Ruhe besonders freute. Dabei erfuhren die Gäste im Dorfgemeinschaftshaus unter anderem, dass es in Eritrea nicht üblich ist, auf der Straße oder bei einem Spaziergang etwas zu essen. Gegessen wird dort nur im Haus im Kreis der Familie oder mit Freunden. Laut Jessica Ruhe hat der Begegnungsabend allen Beteiligten gut gefallen. Vor allem für die Flüchtlinge war er eine willkommene Abwechslung. Beim Begegnungsabend entstanden auch neue Kontakte.

Karin Katzenberger-Ruf

(Veröffentlicht in der Rhein-Neckar-Zeitung, Jahrgang 71, Ausgabe 110 vom 15. Mai 2015)