Geistlicher Impuls – Pfarrerin Marion Rink / Konfirmanden

 

 

Im vergangenen Sommer durfte ich an einem internationalen Friedensgebet in Israel teilnehmen. In diesem kleinen Land, in dem der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis beinahe unlösbar erscheint, leben und arbeiten sieben deutsche junge Mönche in einem offenen Kloster namens Tabgha am See Genezareth. Jeden Freitagabend beten sie zusammen mit den Gästen aus aller Welt um Frieden für das Land und für die ganze Welt.

 

Beeindruckt hat mich, dass das Beten und das Tun bei den Mönchen zusammen fällt. Mit einfachen Mitteln haben sie eine Jugendherberge gebaut, in der behinderte Jugendliche, seien sie Juden, Christen oder Moslems gemeinsam mit ihren Betreuern und Betreuerinnen ihre Ferien verbringen. Sie verstehen dies als einen Beitrag zur Verständigung und zum Frieden. Und sie halten – trotz der Riesenprobleme im Land – in großer Treue und Schlichtheit an ihrem Gebet und an ihrem Zeichen fest. Und nicht nur ich habe gespürt: Von diesem Ort geht etwas aus.

 

Gebet

 

Schenke, o Gott,
Deiner heiligen Stadt Jerusalem
und der ganzen Welt
Deinen Frieden!
Verankere ihn in den Herzen
aller Menschen,
denn Dein göttlicher Friede,
ist der Friede,
den die Welt nicht geben kann.
Dein Friede befreit alle,
die in den Netzen der körperlichen
oder psychischen Gewalt
als Täter oder Opfer gefangen sind.
Hilflos sehen wir die vielen Formen
der Gewalt und des Unrechts –
von der großen Politik bis hin
zum alltäglichen Miteinander.
Schaffe, o Gott, unseren großen
und kleinen Grenzen Frieden!
Erfülle die Mächtigen mit Deinem
Geist der Liebe!
Hilf auch uns an Deinem Reich
des Friedens mitzuwirken,
indem wir erkennen und tun,
was in unserer Umgebung
den Menschen und der Schöpfung zum Frieden
und Wohlergehen dient!
Darum bitten wir Dich,
Du Gott der Liebe und der Treue!
Wir loben Dich und danken Dir
in Ewigkeit.
Amen.

 

 

Konfirmanden

 

Im Rahmen der Ansprache von Ortsvorsteher Ralf Edelmann haben wir Namen, projiziert an die weiße Raumwand, aufleuchten und verlöschen sehen. Namen von Männern, die einst in den Zweiten Weltkrieg gezogen sind und nicht mehr heimkehrten. Namen, mit denen sich Schicksale im Dorf verbinden. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Darsberg und Grein werden nun vortragen, welche Fragen, welche Gedanken ihnen gekommen sind, als sie gemeinsam vor dem Gedenkstein standen:

 

Jan-Niklas: Aus Geschichtsbüchern, Filmen und Videos weiß ich: Der Zweite Weltkrieg dauerte von 1939 bis 1945. Zunächst war da der deutsche Angriff auf Polen. Dann erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Die Deutschen marschierten in Dänemark und Norwegen, Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich ein. 1940 begann die Luftschlacht um England. Im Sommer 1941 griff Deutschland die Sowjetunion an. 1941 griff Japan die amerikanische Flotte an und Deutschland und Italien erklärten den USA den Krieg. 1943 wurde die 6. deutsche Armee bei Stalingrad vernichtet. 1944 landeten die Anglo-Amerikaner in der Normandie. Im April 1945 hat sich Hitler umgebracht und im Mai hat die deutsche Wehrmacht bedingungslos kapituliert. In dem Jahr wurde auch die erste Atombombe abgeworfen, nämlich auf Hiroshima. Ungefähr 55 Millionen Menschen sind durch diesen Krieg umgekommen, davon waren 6 Millionen Juden oder Leute, die aus anderen Gründen vernichtet wurden.

 

Das alles kann man nachlesen in Geschichtsbüchern. Doch wie es hier, in Darsberg oder in Grein zu der Zeit war, das weiß ich nicht. Mich interessiert, wie sich der Zweite Weltkrieg in Darsberg und Grein ausgewirkt hat. Hat man das im Ort gemerkt, dass Krieg ist und woran?

 

Christopher: Das habe ich mir auch überlegt. Ich habe mich, als wir vor dem Gedenkstein standen, gefragt, ob und was in Grein und Darsberg zerstört worden ist.

Wurden über den Dörfern auch Bomben abgeworfen?

 

Maike: Mich interessiert, welche Männer aus Darsberg und Grein in den Krieg gezogen sind. Waren das ausgebildete Soldaten? Oder waren das auch Bauern und andere Dorfbewohner?

 

Patrick: Meine Frage ist ähnlich: Ich wüsste gern, ob es für jeden Mann aus Darsberg und Grein Pflicht war, an die Front zu gehen. Konnte man auch „Nein“ sagen oder wurde man gezwungen in den Krieg zu ziehen?

 

David: Wie alt waren die Soldaten? Waren sie volljährig oder jünger? Gab es ein Mindestalter? Ich wäre ja in meinem Alter sicherlich noch zu jung gewesen, denke ich mal.

 

Conny: Mich interessiert, wie viel Soldaten aus Grein und Darsberg wieder zurückgekommen sind zu ihren Familien. War es der Großteil, der wieder heim kam oder sind die meisten umgekommen? Woher haben die Familien Nachricht erhalten wenn ein Soldat gefallen war oder vermisst wurde?

 

Michelle: Ich wüsste gern, ob es auch in Darsberg und Grein eine Hitlerjugend gab. Die Dörfer sind ja von den großen Städten eher etwas abgelegen. Vielleicht war da in den Dörfern nicht so eine Begeisterung für Hitler wie in den Städten.

 

 

Ein Kreuz, ein Symbol des Friedens – ein Geschenk von Pfarrerin Rink an die Konfirmanden

 

Ein Kreuz, aus einer Patrone gefertigt, steht für die biblische Vision, dass Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden sollen. Der Automechaniker George Togba, ein ehemaliger Kämpfer, heute christlicher Friedensaktivist, produziert sie mit etwa 30 anderen Landsleuten und mit kirchlicher Unterstützung aus leeren Patronen- oder Granathülsen und verkauft diese in Europa und Amerika als Symbole für den Frieden. Dieses Geschenk, so Pfarrerin Rink, möge die Konfirmanden an diesen Tag erinnern und Mut machen, die Älteren aus dem Dorf, die noch wissen, wie es früher war, im Verlauf des Konfirmandenjahres zu befragen.